Effektives Privileged Identity Management (PIM) für moderne IT-Sicherheitsstrategien

In diesem Artikel steht PIM ausschließlich für Privileged Identity Management im Kontext von Identity- und Access-Management (IAM). Nicht gemeint ist Product Information Management, das im E-Commerce zur Verwaltung von Produktdaten eingesetzt wird. Derzeit werden wir von unseren Kund:innen häufig gefragt, worin sich Privileged Identity Management (PIM), Privileged Access Management (PAM) und Privileged User Management (PUM) unterscheiden und wie sie zusammenhängen. In dieser strukturierten Darstellung möchten wir ein gemeinsames Verständnis über die jeweiligen Funktionen, Einsatzbereiche und strategischen Unterschiede der drei Systeme schaffen.

Was ist Privileged Identity Management (PIM)?

Privileged Identity Management (PIM) ist ein sicherheitsorientiertes Verfahren zur kontrollierten Verwaltung privilegierter Benutzeridentitäten. Diese Identitäten haben besondere Berechtigungen, um kritische Systeme, Daten und Infrastrukturkomponenten zu konfigurieren oder zu verwalten. In der Regel handelt es sich dabei um Administratoren, DevOps, Security Engineers oder Drittanbieter mit erhöhtem Zugriff. Die Definition dessen, was erhöht bzw. privilegiert ist, ist nicht festgelegt und muss in einer Policy pro Unternehmen geschärft werden.

PIM ermöglicht eine zeitlich begrenzte Zuweisung von Rollen und Rechten, häufig in Kombination mit mehrstufigen Genehmigungsprozessen sowie Multifaktor-Authentifizierung und damit verbunden Single Sign-On. Der Begriff wurde durch Microsoft geprägt: PIM ist auch in der Cloud wie bei Microsoft Entra ID im Einsatz (Privileged Identity Management documentation - Microsoft Entra ID Governance | Microsoft Learn), um den Grundsatz „least privilege“ (so wenig Rechte wie nötig) dynamisch umzusetzen.

Ziel ist es, dauerhafte Superuser-Rechte zu vermeiden und stattdessen den Zugriff bei Bedarf temporär, nachvollziehbar und sicher zu gewähren.

Warum sind permanente Administratorrechte ein Sicherheitsrisiko?

Dauerhafte Administratorrechte erhöhen die Angriffsfläche erheblich, da kompromittierte Konten sofort weitreichende Systemkontrolle ermöglichen. Besonders bei Phishing- oder Credential-Diebstahl-Angriffen können sich Angreifer lateral im Netzwerk bewegen. Studien und Sicherheitsframeworks wie NIST empfehlen daher das Prinzip der minimalen Rechtevergabe (Least Privilege). PIM reduziert dieses Risiko, indem privilegierte Zugriffe nur temporär aktiviert werden.

PIM vs. PAM: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Privileged Access Management (PAM) verfolgt ein ähnliches Ziel wie PIM - den Schutz privilegierter Zugänge. Die Verwendung des Begriffs „Identity“ bei PIM ist etwas verwirrend: PIM geht davon aus, dass bestehende Benutzer für eine gewisse Zeit Berechtigungen erhalten, die sie temporär zu privilegierten Benutzern machen. So werden sie z.B. mit der administrativen Entra-Rolle „Security Administrator“ ausgestattet, die es erlaubt, Sicherheitsrichtlinien zu verwalten, Alerts zu konfigurieren oder Sicherheitsberichte einzusehen. Somit wird in dem Sinne nicht die Identität gemanaged, sondern nur deren zugewiesenen Berechtigungen.

Bei PAM werden üblicherweise bestehende privilegierte und unpersönliche Benutzer für eine gewisse Zeit einer Person übergeben, damit diese sich damit einloggen und administrieren kann. Dies können auch hochprivilegierte Benutzer wie der SYS auf einer Oracle-Datenbank sein. Das „Access“ steht bei PAM stellvertretend für den Zugriff auf Credentials oder eine Session, die teilweise auch aufgezeichnet wird (je nach Lösung und nach Konfiguration). Bekannte Vertreter solcher Lösungen sind die Hersteller Arcon, Beyondtrust, One Identity oder Wallix.

Während PIM also auf die temporäre Rechtevergabe an reale Benutzer abzielt, stellt PAM den Zugang selbst in den Mittelpunkt. Es gibt jedoch noch eine dritte Variante, bei der Benutzer nur bei Bedarf angelegt und mit hohen Berechtigungen ausgestattet werden. Dies hat insbesondere den Vorteil, dass man nicht ständig eine Anzahl hochprivilegierter Benutzer vorhalten muss. Daher werden diese auch „Ephemeral Accounts“ genannt. Die Tatsache, dass weniger Lizenzen notwendig sind, kann auch als Vorteil gewertet werden. Ein Nachteil ist sicherlich, dass bei Störungen o.ä. nicht auf bestehende Accounts zurückgegriffen werden kann. Die Produkte von Saviynt oder Imprivata bieten Lösungen für Ephemeral Accounts an.

Wie unterstützt PIM eine Zero-Trust-Strategie?

Zero Trust basiert auf dem Prinzip „Never trust, always verify“. PIM setzt dieses Prinzip um, indem privilegierte Rechte nicht standardmässig bestehen, sondern aktiv beantragt und verifiziert werden müssen. Jede Aktivierung kann an Bedingungen wie MFA, Begründungspflicht oder Genehmigung gekoppelt werden. Dadurch wird Vertrauen nicht vorausgesetzt, sondern situativ überprüft.

Was ist Privileged User Management (PUM)?

Privileged User Management (PUM) ist ein älterer Begriff, der sich auf die Verwaltung und Kontrolle von privilegierten Benutzern als Ganzes bezieht – unabhängig von der zeitlichen Beschränkung oder der Art des Zugriffs. 

Typische PUM-Funktionen waren: 

  • Verwaltung von Administrator-Konten
  • Monitoring privilegierter Aktivitäten
  • Compliance-Reporting 

Moderne Architekturen ersetzen PUM häufig durch integrierte Lösungen aus PIM und PAM. Dennoch taucht der Begriff vereinzelt noch auf, vor allem in Legacy-Umgebungen oder bei Compliance-Audits.

Welche Compliance-Anforderungen unterstützt PIM?

PIM unterstützt regulatorische Anforderungen an Zugriffskontrolle, Nachvollziehbarkeit und Trennung von Funktionen. Standards wie ISO 27001 (ISO/IEC 27001:2022 - Information security management systems) oder BSI IT-Grundschutz fordern kontrollierte Vergabe administrativer Rechte. Durch Audit-Logs, Genehmigungsprozesse und zeitliche Begrenzungen schafft PIM prüfbare Nachweise für interne und externe Audits.

Wofür wird PIM im IAM-Kontext eingesetzt?

PIM wird eingesetzt, um privilegierte Rollen wie Global Administrator, Domain Admin oder Cloud-Owner kontrolliert zu verwalten. Anstatt permanente Berechtigungen zu vergeben, erhalten Benutzer erhöhte Rechte nur bei Bedarf und für einen definierten Zeitraum. Aktivierungen werden protokolliert, können genehmigungspflichtig sein und lassen sich auditieren. Damit unterstützt PIM sowohl Sicherheitsanforderungen als auch regulatorische Vorgaben wie ISO 27001 oder BSI IT-Grundschutz.

Wann lohnt sich ein PIM?

Der Einsatz von PIM ist besonders lohnenswert in hybriden oder cloudbasierten IT-Umgebungen mit mehreren Administratorrollen. Je komplexer die Infrastruktur, desto höher das Risiko von Überprivilegierung. Unternehmen mit Compliance-Anforderungen oder erhöhtem Cyberrisiko profitieren besonders stark. PIM eignet sich daher sowohl für mittelständische Organisationen als auch für Konzerne mit verteilten IT-Strukturen.

Was sind Best Practices für eine erfolgreiche PIM-Implementierung?

Eine erfolgreiche PIM-Implementierung beginnt mit einer klaren Rollen- und Risikoanalyse. Privilegierte Konten sollten konsolidiert und nach Kritikalität priorisiert werden. Aktivierungsprozesse müssen praktikabel gestaltet werden, um Umgehungslösungen zu vermeiden. Regelmäßige Reviews und Rezertifizierungen stellen sicher, dass Berechtigungen weiterhin erforderlich sind. Technische Umsetzung und organisatorische Governance müssen dabei Hand in Hand gehen.

Fazit: PIM als Schlüsselelement moderner Zugriffskontrolle

In einer hybriden IT-Welt mit Cloud-, SaaS- und On-Prem-Komponenten ist eine feingranulare Steuerung privilegierter Zugriffe unerlässlich. Während PAM eher klassische Systeme absichert, bietet PIM die nötige Agilität für dynamische Cloud-Umgebungen.

Unternehmen, die auf Zero Trust und Identity-First Security setzen, kommen an PIM nicht vorbei. Wer PIM und PAM sinnvoll kombiniert, stellt sicher, dass privilegierte Zugriffe nicht nur sicher, sondern auch nachvollziehbar und effizient gemanagt werden.

IPG hilft konkret bei Herausforderungen im Bereich PIM, PAM und temporäre Zugriffskontrolle. Der Fokus liegt dabei auf praxisorientierter Unterstützung, die sich gut in Beratung, Projektumsetzung und Betrieb einfügt. IPG bringt als Multi-Vendor zudem Produktexpertise für jede der obengenannten Variante ein.

Dieser Bericht beruht auf Expertenwissen, für die Ausformulierung wurde Hilfe von KI in Anspruch genommen.
 

Sven Spiess
Senior Cloud Engineer / Architect IPG Information Process Group AG
Foto von Claudio Fuchs - IPG - Experts in IAM
Claudio Fuchs
CEO IPG Information Process Group AG

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