#134 - Was moderne KI im Shop wirklich leistet und welche Chancen B2B-Händler jetzt nutzen können

In dieser insights!-Folge spreche ich mit Nils Breitmann, Senior Director AI bei Intershop, darüber, wie KI den B2B-E-Commerce neu definiert. Wir tauchen ein in die Frage, warum Kunden immer weniger „suchen“ und immer mehr „sprechen“, wie KI-Agenten operative Aufgaben übernehmen und was das für Teams und Prozesse bedeutet.

Der klassische Onlineshop wird nicht verschwinden, aber Kunden haben längst aufgehört, ihn zu benutzen. Sie wollen nicht klicken, sie wollen reden. Und KI hört zu.

Nils Breitmann Senior AI Director intershop
KI im B2B ist ein handfester Wettbewerbsvorteil. Aber da erzähle ich dir nichts neues. Das zeigt auch das Gespräch zwischen Joubin Rahimi und Nils Breitmann, Senior Director AI bei Intershop. Und genau hier setzt dieser Blogbeitrag an: Du bekommst einen klaren Blick darauf, wie sich Suchverhalten, Arbeitsabläufe und E-Commerce-Erwartungen aktuell verändern und wie die Rolle von KI in dem Zusammenhang ist. Denn eins wird schnell zu Beginn deutlich: Wer versucht, KI einfach „im Daily Business mitzuerledigen“, wird scheitern. Intershop hat deshalb eine eigene Rolle geschaffen, die sich ausschließlich darum kümmert. Ein Schritt, der zeigt, wie ernst Unternehmen das Thema inzwischen nehmen sollten! Wie sieht es bei dir aus?

Der neue Standard: Kunden wollen sprechen, nicht suchen

Die Art, wie Menschen Informationen finden, hat sich radikal verändert. Früher musstest Du Suchmaschinen regelrecht „bedienen“. Heute erwartest Du, dass Du einfach Deine Frage formulieren kannst und zwar genau so, wie Du sie einem Menschen stellen würdest.

Im B2B ist das besonders spannend. Denn dort geht es oft um:

  • komplexe Produkte
  • mehrstufige Entscheidungsprozesse
  • feste Rahmenverträge
  • langjährige Bestandskunden

Das bedeutet auch: Der klassische Onlineshop als Klickstrecke verliert an Bedeutung. Käufer wollen nicht „navigieren“, sondern Probleme lösen. Und oft passiert das längst per WhatsApp oder Telefonfoto, wie am Beispiel des Elektro-Großhändlers: Ein Monteur schickt ein Bild vom Sicherungskasten und erwartet, dass jemand den passenden Artikel identifiziert.

Genau hier kommt KI ins Spiel und das als neue Form der Interaktion. Es geht darum, natürliche Sprache wieder in den Mittelpunkt zu stellen. So wie Menschen schon immer Geschäfte gemacht haben.

Co-Pilot im Shop: Warum Chatbots jetzt plötzlich funktionieren

Chatbots gab es schon vor Jahren (waren aber super teuer und nicht ganz so massentauglich und effizient, wie die heutigen Chatbots es sind). Was es damals nicht gab: Modelle, die komplexe Fragen wirklich verstehen. Heute ist das anders. Intershops „Co-Pilot für Käufer“ ist ein echter Produktexperte.

Er erkennt Anwendungsfälle, versteht Anforderungen und findet passende Produkte und das auch wenn der Nutzer nur sein Ziel beschreibt. Beispiele dafür reichen von Homeoffice-Ausstattung bis hin zu Produkten mit spezifischen Sicherheitsnormen. Der Clou dabei: Der Co-Pilot nutzt erweitertes Wissen wie Datenblätter oder Normbeschreibungen, um nicht nur generische Antworten zu liefern, sondern präzise Empfehlungen.

Er kann also:

  • Produktattribute verstehen
  • Normen korrekt interpretieren
  • Details aus unstrukturierten Texten übernehmen

Co-Pilot im Backoffice: Wenn KI plötzlich im Marketing mitarbeitet

Während der Käufer-Co-Pilot Produkte empfiehlt, hilft der Verkäufer-Co-Pilot auf der Plattformbetreiberseite. Und das ist mindestens genauso spannend. Denn E-Commerce-Manager kennen das Problem: Promotions anlegen, Produkttexte pflegen, Normen dokumentieren – all das kostet Zeit. Viel Zeit. Genau hier greift Intershops Ansatz, verschiedene spezialisierte Agenten einzusetzen. Beispielsweise: • Content Agent: reichert Produktinformationen automatisiert an • Localization Agent: übersetzt sauber und kontextsensitiv • Pricing Agent (in Entwicklung): analysiert Preispositionierung und Marktbewegungen Besonders mächtig ist der Ansatz, Aktionen einfach in natürlicher Sprache anlegen zu können. Statt sich durch Menüstrukturen zu klicken, reicht ein Satz wie: „Lege eine Promotion mit 10 Prozent Rabatt für alle Monitore an, Code XYZ.“ Der Agent setzt es um inklusive Regeln, Ausnahmen und komplexen Bedingungen. Das Ergebnis ist, dass neue Mitarbeiter ohne langwieriges Onboarding sofort produktiv werden, weil Wissen nicht mehr „in Köpfen“ steckt, sondern im System.

Warum Agenten Teams verändern und nicht nur Prozesse

Ein spannender Gedanke von Nils ist die zukünftige Teamstruktur. KI wird nicht ersetzt, sondern ergänzt. Aber die Form der Zusammenarbeit wird sich verändern. Denkbar sind Teams, die etwa aus zwei Menschen und zehn Agenten bestehen. Die Menschen steuern, priorisieren, denken strategisch. Die Agenten erledigen dann die operative Detailarbeit. Die KI übernimmt also nicht die Rolle des Mitarbeiters, sondern die von zehn spezialisierten Werkstudenten, die keine Pause brauchen, nicht krank sind und keinen Urlaub oder eine Gehaltserhöhung haben wollen. Gleichzeitig entsteht ein weiterer Vorteil: Wissen geht nicht mehr verloren, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Fachwissen kann einfach eingesprochen, dokumentiert und von der KI nutzbar gemacht werden.

Technisch getrennt, aber strategisch vereint: Warum es im System zwei Co-Pilots gibt

Obwohl beide Co-Pilots auf demselben LLM-Grundprinzip basieren, sind sie technisch getrennte Systeme. Der Grund liegt in der Tool-Architektur: Käufer und Verkäufer benötigen völlig unterschiedliche Werkzeuge, API-Zugriffe und Wissensbereiche. Ein Käufer braucht Zugriff auf Produkte, Normen, Bestellungen. Ein Verkäufer braucht Zugriff auf Backend-Funktionen, Pricing-Logiken, Content-Regeln. Die KI erkennt eigenständig, wann welches Tool eingesetzt werden muss. Das ist ein Konzept, das durch MCP (Multi-Component-Protocol) weiter gestärkt wird, da es standardisierte Schnittstellen schafft. Diese Trennung macht die Systeme skalierbar, sicher und unabhängig voneinander erweiterbar.

Fazit: KI im B2B wird zum Betriebssystem

Was Intershop zeigt, ist ein Blick in die Zukunft des B2B-E-Commerce. KI übernimmt weder die Plattform noch den Menschen, aber sie wird zum Betriebssystem für bessere Entscheidungen, schnellere Abläufe und mehr Kundennähe. Die wichtigsten Learnings: • KI braucht Fokus und klare Verantwortlichkeiten – nebenbei funktioniert es nicht. • Agenten sind nicht einfach Chatbots – sie handeln, sie führen Aufgaben aus. • Wissen wird digitalisiert statt verloren – ein enormer Vorteil für alternde Belegschaften. • Natürliche Sprache wird zur neuen User Experience – egal ob per Chat, Stimme oder Foto. Und das Beste: Die Ideen kommen oft erst, wenn Unternehmen die Möglichkeiten real erleben. Genau dann wird aus Technologie echte Innovation.

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Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi und heute dabei Nils Breitmann, Senior Director AI der Intershop. Nils, schön, dass du den weiten Weg doch für euch und für dich hierher gemacht hast nach Dortmund.

 

Nils Breitmann

Genau, ich bin aus Jena gekommen. Dort sitzt der Hauptsitz von Intershop.

 

Joubin Rahimi

Da machst du zwar deine Sätze zu dir und Das kann eine Rolle sagen? Das heißt erst mal, ein Director AI klingt mega. Rolle will ich auch haben.

 

Nils Breitmann

Genau, also ich kümmere mich bei Intershop speziell um die Themen AI. Einmal, wie wir das in unseren Produkten einsetzen, aber auch, wie wir überhaupt selber Intershop intern AI einsetzen, um die Prozesse zu automatisieren.

 

Joubin Rahimi

Das sind natürlich zwei total spannende Umfelder, wo man da richtig rein drillen kann.

 

Nils Breitmann

Wir haben vor überm Jahr jetzt auch extra diese Rolle neu geschaffen, weil gab es nicht, um einfach diese Wichtigkeit des Themas auch Rechnung zu tragen. Wir haben gelernt, wenn man die normalen Teams nimmt, das Backlog ist immer voll, die Teams sind immer beschäftigt, auch mit Problem-Tickets, Feature-Entwicklungen, dies und das. Und wenn man sich nicht dediziert wirklich diesem Thema annimmt, dann kommt man eben nur sehr langsam vorwärts.

 

Joubin Rahimi

Und das ist direkt schon Learning für jeden draußen, der die Teams aufstellt. Einfach neben dem Tagesgeschäft, das nebenher zu machen, können die allerwenigsten Mitarbeitende. Und da dann zu sagen: Ich habe jemanden, der sich voll darauf konzentriert, ist wahrscheinlich mega sinnvoll.

 

Nils Breitmann

Und das braucht natürlich dann die Unterstützung vom Vorstand. Anderes geht so was nicht.

 

Joubin Rahimi

Aber letztes Mal war Markus auch Director AI?

 

Nils Breitmann

Er war COO, Markus Dränert, und hat aber unter ihm dann auch meine Rolle schon. Okay.

 

Joubin Rahimi

Ich habe schon gewitzelt.

 

Nils Breitmann

Er hatte sich dafür stark gemacht. Er hat das gesehen.

 

Joubin Rahimi

Ich habe schon gewitzelt. Der Letzte, der hier war, wurde CEO. Nein, nein, nein. Da können wir schon gratulieren. Es ist ja auch toll, dass wir hier einfach noch mal auch dich empfangen können, zweite Personen von Intershop. Es gibt ja zwei, drei Aspekte. Es gibt viel mehr Aspekte, aber zwei, drei, die wir ja heute beleuchten. Und eines der diesjährigen Trends in 2026 ist ja, dass wir sagen: Wie kann was gefunden werden? Wie verändert sich das? Ich würde gerne mal diese Kette ein bisschen durchspielen. Das heißt, in Bezug auf Geo, also Generative Search Engine Optimization oder Generative AI Optimization, Wie stehst du dem gegenüber? Ist das ein großes Thema für euch oder weniger groß?

 

Nils Breitmann

Wir als Intershop haben den speziellen Fokus auf B2B, auf B2B-E-Commerce. Wir haben da eine Plattform, die wir hauptsächlich für Großhändler und Hersteller bereitstellen. Wir haben auch B2C. Also letztendlich machen wir schon immer B2B und B2C und jetzt gibt es natürlich auch viele Fälle, B2B2C oder B2B-Händler, die nebenbei noch B2C machen. Wir können auch B2C, aber unser Hauptfokus ist ganz klar B2B. Und wir haben eben sehr stark auch darüber nachgedacht, wie dieses geo-Thema gerade in B2B trifft. Und meine Meinung ist, man muss das sehr differenziert betrachten, weil B2B ist auch wieder ein breites Feld, je nachdem, was wirklich die Produkte sind. Es gibt wirklich Produkte, die sind … Also es geht davon hin, von Büromaterialien bis hin zu Dämmwolle oder wir haben Saatgut. Wir haben Kunden, die das machen. Sehr verschieden. Und der Unterschied in B2B ist so ein bisschen, man hat manchmal komplexe Produkte, manchmal auch komplexe Prozesse, also mit Powel Workflows oder wir sehen so Dinge, dass es schon Rahmenverträge gibt und dann dürfen die Einkäufe nur Dinge sehen, die auch in diesem Rahmenvertrag sind. Also das sind so komplexe Dinge. Und natürlich der Hauptunterschied in B2B ist, man hat viele Bestandskunden. Es ist gar nicht so sehr dieses Neukundengeschäft, wo vielleicht der Fall aufkommt, dass jemand jetzt anfängt, im ChatGPT zu suchen und nicht mehr im Google, sondern man hat natürlich diese Beziehungen.

 

Nils Breitmann

Das heißt, man hat definitiv das Thema, dass durch diese Large-Language-Models, GenAI, dass die Leute wieder drauf gekommen sind, dass man einfach sein Problem auch in natürlicher Sprache formulieren kann. Das ist jetzt eigentlich der Hauptunterschied. Vielleicht, wir wurden halt jahrelang trainiert. Wir wussten, wie man Google benutzt. Man wusste vielleicht sogar mit Plus und Minus vor den Wörtern, das gezielt einzusetzen. Aber das ist eigentlich nicht der natürliche Weg, wie Menschen Geschäfte machen, sondern seit den Jahrtausenden, würde ich sagen, hat Verkäufer mit Käufer einfach irgendwie geredet, vielleicht sein Problem erläutert, was er hatte und dann mir die passenden Produkte gefunden. Und das sehe ich jetzt als den Haupttrend, weil durch ChatGPT kommt einfach die Erwartungshaltung wieder rein und die Leute denken: Das muss doch gehen.

 

Joubin Rahimi

Dann habe ich zwei Fragen dazu. Und zwar anknüpfen wir an den Verkäufer redet mit Einkäufer oder Käufer und die haben eine Konversation. A: Brauchen wir überhaupt noch Webseiten, wenn das die Thematik ist? Ich überspitze das mal. Die Frage wurde mir neulich auch mal gestellt. Und B: Müsste der Content dann nicht komplett anders dargestellt werden, wenn das so wichtig ist? Ich habe verstanden, B2B sagt ihr, das ist nicht die höchste Prio, aber wenn man sagt, der hat eine Prio, wie müsste man die Webseite ändern, wenn es noch eine gibt? Ich habe ja zwei geteilt, war ja die Frage.

 

Nils Breitmann

Genau, meine Meinung ist, man kann es ja auf beiden Seiten machen. Man kann jetzt irgendwie seine Inhalte so optimieren, dass sie jetzt in ChatGPT  hier auftauchen. Oder man kann das, was wir auch machen, man baut einen Co-Pilot, einen Assistenten in den Shop ein und der beantwortet dann dort die Frage und empfiehlt die richtigen Produkte oder erklärt, wie das Produkt einzusetzen ist. Genau, was war jetzt noch mal die Frage?

 

Joubin Rahimi

Einmal überspitzt, gibt es noch Webseiten?

 

Nils Breitmann

Genau, ja. Wir hatten letztens erst geredet mit einem Elektro-Großhändler und der sagt, seine Elektriker, die schicken seinem Serviceteam eh oft eine WhatsApp mit einem Foto und sagen, ich brauche jetzt wieder so einen Sicherungskasten, wie der ja auf dem Bild. Und das zeigt ja jetzt schon, dass du den klassischen Shop einfach nicht unbedingt brauchst. Du brauchst aber jemanden, der das Problem löst und das könnte eventuell auch einfach so eine Sprachschnittstelle sein, wie jetzt hier ChatGPT+, wo dann der Handwerker auf der Baustelle oder auf dem Weg zur Baustelle sagt: Ich brauche noch das und das, und er spricht es einfach rein.

 

Joubin Rahimi

Ich glaube, das möchte ich mal unterstreichen. Jetzt gab es im letzten Jahr auch einen neuen Standard oder einen Vorschlag für einen neuen Standard von Anthropic, OpenAI und so weiter, dass man die MCP-Schnittstelle nicht nur inhaltsbasiert macht, sondern auch die UI-Funktion mit reinbringt. Warum ist das so spannend? Weil dann hast du ja nicht nur die Bots, die miteinander reden, sondern du kannst es dann ja auch nutzen, Um über WhatsApp beispielsweise, da wird sicherlich auch mehr reinkommen, zu sagen, okay, dann hast du auch visuell auf einmal was. So einen Schaltschrank, hat dein Foto gemacht, reingeschickt und dann kommt zurück, meintest du so ein, hier ist der Preis und dann hast du einen Teil einer Anwendung von euch gespeist, beispielsweise.

 

Nils Breitmann

Finde ich auch super interessant, wobei ich auch sehe, dass jetzt gerade in Firmen hast du oft auch diese Microsoft-Welt. Dann ist Microsoft Copilot dann vielleicht schon gesetzt als der Assistent, den die Mitarbeiter im im Firmenkontext verwenden. Und dann ist auch eher die Frage: Wie kann man es da rein integrieren?

 

Joubin Rahimi

Und das führt uns zur zweiten Frage: Wenn der Traffic da ist auf der Webseite, wie verändert es sich? Und ihr habt ja auf dem Partner-Tag, nicht nur dieses Jahr, im letzten Jahr und auch nicht nur im vorletzten Jahr eigentlich immer das Thema AI noch mal gestresst mit Copilot zusammen. Wo steht ihr denn da so grob und was ist euer Verständnis, wie man Copilot mit Intershop zusammen nutzen kann?

 

Nils Breitmann

Wir haben erst mal zwei Co-Pilots, einen für den Käufer und einen für die Verkäuferseite. Und der Copilot für die Käuferseite ist erst mal jetzt wie der kleine Chatbot, der im Shop sitzt. Man kennt das ja schon Und du ja auch schon vor vielen Jahren, ich glaube, 2018 rum oder '17, da gab es mal so eine Chatbot-Welle, hat aber nie richtig funktioniert. Nur das Ding ist, jetzt funktioniert das halt. Das war auch richtig teuer.

 

Joubin Rahimi

Wir haben das mal für Esprit gemacht. Automatisierte Beantwortung von E-Mails. Wir haben über 400 Tage rein investiert, um sechs Cases automatisiert bearbeiten zu können.

 

Nils Breitmann

Und hier ist jetzt wirklich das Tolle, dass das nicht mehr ist wie irgendwie eine Keyword-Suche, die man dann vielleicht in den Chat gibt, sondern ich kann mein Problem erläutern. Ich kann sagen, was ich vorhabe. Ich habe immer das Beispiel, wir haben eine neue Mitarbeiterin, die brauchen eine Homeoffice-Ausstattung und dann empfiehlt Copilot eben genau das Monitor, das Dastatur, Maus, was man alles braucht. Oder wir haben so ein Arbeitsschutzbeispiel. Da kann ich ja eben sagen, ich brauche einen gelben Bauhelm, der auf deutschen Baustellen zugelassen ist und dann kann der Co-Pilot in dem erweiterten Wissen nachschauen, was ist die richtige Norm, die man braucht, und dann mit diesem Normen als Filter auch die richtigen Produkte heraussuchen.

 

Joubin Rahimi

Was ist das erweiterte Wissen?

 

Nils Breitmann

Prinzipiell total flexibel. Es kann sein, wie irgendwie Produktdatenblätter. In diesem Fall war das eben einfach, wo der Beschreibung dieser Normen oder einfach die Normen an sich, die man dem mitgibt. Also technisch wird dann diese Vektorsuche verwendet und dann dieses Rack Retrieval Augmented Generation, um einfach dem Agenten, dem Large-Language-Model, noch weiteres Wissen an die Hand zu geben, was er dann zur Beantwortung der Frage verwenden kann.

 

Joubin Rahimi

Ohne, dass man es ja selber promptet, sondern dass er es jetzt smart hinzufügt.

 

Nils Breitmann

Genau. Und auch nicht, dass das jetzt aufwendig trainiert werden musste vorher. Das ist auch so ein Ding. Im AI kommt der oft der Zusammenhang, weil früher war es halt so, als man noch klassische Maschinen Learning Models, die mussten halt immer trainiert werden. Aber jetzt ist es so, man hat dieses generische Model, GPT, 4. 0-mini, nehmen wir jetzt zum Beispiel, das ist fertig trainiert. Das hat Open AI für uns gemacht in einem aufwendigen Prozess und einem teuren Prozess. Das kann keiner selbst machen, aber trotzdem, das enthält dieses ganze Weltwissen. Aber natürlich sind jetzt nicht unbedingt die Spezialsachen drin, vielleicht dieses B2B-Großhandler oder so oder Herstellers.

 

Joubin Rahimi

Das ist die Käuferseite. Was macht ihr denn bei der Verkäuferseite mit Copilot?

 

Nils Breitmann

Dort unterstützen wir eben den E-Commerce-Manager oder Partner Content-Retaktor auch mit dem Copilot. Also es gibt zum Beispiel dieser Fall, wo ich sage, Intershop hat eine sehr ausgefeilte Promotion-Funktionalität für Marketing-Promotions, ist aber auch sehr viele Screens, durch die man klicken muss und das anzulegen. Jetzt kam auch von Händlern, die das gerade nicht so oft benutzen, und sagen: Das würden wir gerne einfacher haben, und die sagen: Macht doch einfach hier und nimm doch den Copilot, und dann sage ich eben einfach in Worten: Lege eine Promotion an mit 10% auf alle Monitore und Promotion Code X. Und dann benutzt der Copilot im Hintergrund so ein Tool, nennt man das ja, diese APIs, und kann die Promotion anlegen.

 

Joubin Rahimi

Das ist super.

 

Nils Breitmann

Das ist ein Fall. Und dann haben wir diesen Copilot für Händler dann eben noch verschiedene Spezialagenten eingebaut. Zum Beispiel gibt es den Content Agent, der Produktinformationen anreichern kann. Oder es gibt den Localization Agent, der es dann übersetzen kann. Wir arbeiten gerade an einem Pricing Agent, der jetzt auch Preisinformationen analysiert und dann Empfehlungen geben kann: Hier bei diesem Produkt bist du vielleicht jetzt über Marktpreis oder zu weit unter. Du verschwendest hier Marge. Diese Dinge, die für ein Mensch wirklich sehr aufwendig wären. Natürlich kann jeder hingehen, Produktdaten nehmen, die Produktdatenplatte raussuchen, die Informationen rausziehen, reinschreiben. Da ist man bestimmt lange beschäftigt und dieser Partner Content Agent, der macht dann vielleicht ein Produkt in 30 Sekunden. Recherchiert, der Hersteller lädt die Datenplatte runter, liest die, erstellt die Beschreibungen, Attribute sauber.

 

Joubin Rahimi

Das ist super mächtig, weil ihr dann nicht nur sagt, Okay, so könntest du was anlegen, sondern das System, der Agent, tut es. Und warum ist das so mächtig? Das möchte ich noch mal unterstreichen. Häufig begegnen wir uns in den Cases immer mit dem Thema: Dann fasst man das zusammen und ich habe eine Information, wie was gemacht wird. Nein, der Agent macht das und das ist so mächtig, weil neue Mitarbeiter, auch Mitarbeitende, die müssen das nicht direkt lernen. Die können gleich instant wirken. Sie können auch ihre Idee spielen. Nehmen wir mal diese Coupon-Rabatt-Idee, zu sagen: Ich würde ganz gerne auf alle Monitore in dem Zeitraum, außer Kunden, die mehr als 5 Millionen gekauft haben, die bekommen das dann so. Und wenn der Preis dann vertraglich anders festgelegt ist, dann wählen wir noch mal jenes. Das ist ja hochkomplex und das können wir ganz gut formulieren und dann ist es ja auch zügig drin. Also zwei Sachen: Einmal, wer Intershop nicht kennt, da seid ihr wirklich mega stark, was ihr da machen könnt und du musst es ja nicht herumentwickeln. Das ist cool. Und jetzt kann man es auch noch viel schneller einfordern. Wir haben auch einige Intershop-Kunden-Auswahl, da sind ja viele Mitarbeitende, die sind ein bisschen älter, die sind auch vor der Rente.

 

Nils Breitmann

Das ist auch wirklich so ein Ding, dass dieses Wissen nicht verloren geht, dass man es eher vorher noch irgendwo reinpackt, auch in diesen Copilot-Verkäufer, dieses ganze Verkäuferfachwissen. Das muss irgendwo abgelegt sein und es ist ja gar nicht mal so ein Drama. Es kann ja unstrukturiert irgendwo stehen. Die Large-Language-Models kommen ja damit klar. Man kann es ja trotzdem indizieren.

 

Joubin Rahimi

Oder man kann es einfach reinsprechen.

 

Nils Breitmann

Stimmt, auch super. Ein interessanter Gedanke ist auch, wie sich dann überhaupt die Arbeitswelt verändern wird. Es gibt ja so auch die Theorien, dass in Zukunft wird es eher so Teams geben aus Menschen und Agenten, dass man sagt, man hat zwei Menschen und vielleicht zehn Agenten, die die Aufgabe machen. Zwei Menschen noch, dass auch mal einer in den Urlaub gehen kann krank sein kann. Und dann verändern sich auch die Teamstrukturen und vielleicht auch in der Softwareentwicklung das auch aussehen wird.

 

Joubin Rahimi

Genau, das ist eigentlich der zweite Part, den du ja mit verantwortest und daraus würde ich am liebsten eine eigene Folge noch machen. Gerne. Aber vielleicht können wir das noch mal abrunden. Wir sind jetzt also Käufer-Verkäufer. Da habt ihr zwei verschiedene Co-Pilots. Sind das technisch auch zwei oder ist das einer? Und wenn ja, warum ist es das?

 

Nils Breitmann

Das sind technisch auch zwei, weil dahinter liegt diese Agent-und Tool-Architektur. Das heißt, man hat immer das LLM, man hat sein System-Prompt, dem man erst mal beschreibt, was es macht und gibt dem Large-Language-Model dann Werkzeuge an die Hand, damit es eben zum Beispiel auch mal eine API, eine Schnittstelle aufrufen kann oder erweitertes Wissen abfragen kann. Und wenn man das erst mal verstanden hat, ist es eigentlich so mind-blowing, würde ich fast sagen, weil man gibt dem Agenten nur die Tools und beschreibt, was die Tools machen. Es gibt auch jetzt diese Standard-MCP, dann ist das schon alles ganz sauber gelöst. Und der Agent entscheidet dann selbst, was jetzt führt die Anfrage des Kunden, eben das passende Tool ist, was er aufrufen muss. Ein Beispiel: Er will jetzt einfach seine Rechnung sehen. Dann hat man ihm ein Tool gegeben, was eben Rechnungen aus dem ERP laden kann und dann weiß der Agent, okay, er geht zum Rechnungen, dann wird das Tool, wo das passende sein, und benutze ich das mal, um jetzt eine Rechnung abzufragen. Und ohne, dass ich ein Stück programmiert habe da drin.

 

Joubin Rahimi

Und Mindblowing ist halt, dass man es gar nicht selber durchdenken muss, sondern dass die AI das sich selber schon erschließt. Ja, ja.

 

Nils Breitmann

Natürlich kann man auch nie 100% vorher sagen, was jetzt auch passieren wird. Das ist halt natürlich dann … Ist halt so, in dieser ganzen Funktionsweise, dieser Large-Language-Model, ist ja immer diese Temperature drin. Das ist halt immer ein bisschen der Zufall. Das heißt, es ist nicht jedes Mal exakt gleich und dann haben natürlich auch kleine Änderungen in den Ausgangswerten. Die können dann auch finden, größere Änderungen haben. Das ist dann eben auch die Kunst, das so zu konfigurieren, dass es funktioniert. Und da sagen wir als Intershop auch immer: Da muss dann auch immer ein Implementierungspartner wie synaigy einfach auch mit rein. Die Experten, die das dann in den konkreten Kundenfall einfach mit anpassen.

 

Joubin Rahimi

Ja, ist von Kunde zu Kunde auch unterschiedlich. Hängt von den Datenmengen und Themen ab.

 

Nils Breitmann

Genau, und was wir auch sehen, wenn die Kunden das erst mal sehen, dann kriegen die richtig gute Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden und die können dann im Projekt sehr leicht umgesetzt werden.

 

Joubin Rahimi

Und damit ihr noch gute Ideen entwickelt könnt, wrappe ich das hier mal ab. Was du direkt am Anfang rausgehauen hast, ist, dass man AI und das Thema einfach nicht nebenher machen kann, sondern dass ihr den Schritt gegangen seid, ein eigenes Team zu haben, das du führen darfst und dann für die eigene und für den Kunden Sachen entwickelt. Das, finde ich, ist ein super Learning. Zweitens, was jetzt zum Schluss kam, ist dieses: Es gibt nicht den einen Agent, sondern es gibt mehrere und die Agents wissen auch selber schon, was sie können und wen sie dafür brauchen. Das finde ich auch noch wichtig. Und das Dritte ist das Thema, die Agents können auch machen, dass ihr das auch direkt so implementiert habt und dass das so wahnsinnig wertvoll ist. Ich würde gerne mit dir auch noch, weil das schaffen wir zeitlich gar nicht, in die Thematik der Prozesse eingehen, weil das haben wir eigentlich mit dem Co-Pilot nur gestriffen: Er macht was. Aber sagst du, ist das eine Folge, da könnten wir noch mal in die Tiefe reingehen?

 

Nils Breitmann

Klar, gerne.

 

Joubin Rahimi

Das ist super. Dann würde ich sagen, ihr wartet bis zur nächsten Folge und wir drehen sie gleich, weil das ist bestimmt auch noch mal mind-blowing, was das angeht. Nils, danke erst mal für deine Insights heute und für die Einblicke. Danke schön.

 

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Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

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