Warum ist ein umfassender Zugriffsschutz essenziell?

Wenn Zugriffsschutz in Unternehmen nicht gesamtheitlich betrachtet wird, hat das systemische als auch finanzielle Gründe. Auf lange Sicht entstehen dadurch hohe Weiterentwicklungs-, Wartungs- und Betriebsaufwände. Auch die Folgen von immer komplexeren und ausgefeilteren Angriffen kosten das Vielfache von Investitionen in einen umfassenden Zugriffsschutz.

Eine gesamtheitliche Auseinandersetzung mit dem Zugriffsschutz ist unerlässlich, damit die ausgewählten technischen und organisatorischen Maßnahmen ihre Wirkung zeigen und nicht zu einem unüberschaubaren und schwer beherrschbaren Flickwerk ausarten.

Historisch gewachsene Lösungen

Eine schrittweise Einführung von Zugriffsschutzmechanismen ist aus der Sicht der Beherrschbarkeit, der Risikominimierung, der Erfahrungssammlung und der Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten einem Big-Bang eindeutig vorzuziehen. Deswegen und aus finanziellen Gründen entscheidet man sich oft für die Einführung von Lösungen, die ein bestimmtes Zugriffsschutzproblem lösen, ohne eine Roadmap für die Zukunft zu verfolgen. Das führt zu Custom Development Lösungen und Lösungen in bestehenden oder zugekauften Systemen, die aktuelle Anforderungen an den Zugriffsschutz nur punktuell abdecken.

Die Konsequenzen

Über Jahre entsteht ein Flickwerk an individuellen und zentral nicht abgestimmten Vorgehensweisen, zugekauften Insellösungen oder eine zentrale inhouse entwickelte Silo-Lösung, die mittlerweile u.a. als Datendrehscheibe mit komplexer Logik zur „Verbesserung“ der Datenqualität missbraucht wird. Die Umsetzung jeder neuen Anforderung wird immer aufwendiger und komplexer in Abstimmung und Implementierung. Eine Übersicht über die Gesamtheit des Zugriffsschutzes wird unmöglich. Die Frage, ob man tatsächlich vollumfänglich geschützt ist, kann nicht mehr beantwortet werden.

Mit der rapide steigenden Komplexität und Raffiniertheit der externen Cyberattacken kann eine solche Lösung nicht lange Standhalten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Angreifer erfolgreich sind. Im schlimmsten Fall erfährt man aus den Medien, dass man Opfer eine Attacke wurde.

Spätestens jetzt wird über eine Ablöse durch dedizierte Zugriffsschutzlösungen nachgedacht. Es ist der späteste Zeitpunkt den Zugriffsschutz als eine Gesamtlösung zu betrachten und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Der Schlüssel zum umfassenden Zugriffsschutz

Um im Unternehmen einen umfassenden Zugriffsschutz sicherzustellen, muss man sich von dem Gedanken lösen, punktuelle Sicherheitsprobleme ad-hoc anzugehen. Notwendig ist eine übergreifende Sicht und vernachlässigte Themen einzubeziehen, selbst wenn diese nicht kurzfristig gelöst werden können. Die Gesamtlösung muss technische, aber auch organisatorische Maßnahmen umfassen und folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Mitarbeitersensibilisierung ist ein essenzieller Bestandteil, da Mitarbeiter oft das schwächste Element darstellen. Mit dem Einzug der KI in das Gebiet des Social Engineering im speziellen E-Mail-Phishing, Bot-Telefon-Anrufe und Chats bis zur Remote-Video-Bewerbungen wird eine Authentifizierung des „Gesprächspartners“ sogar für IT-affine Mitarbeiter zu einer Herausforderung. Periodische IT-Sicherheitsschulungen müssen einen fixen Bestandteil eines umfassenden Zugriffsschutzes bilden.
     
  • Wissen um schützenswerte Ressourcen ist grundlegend für die Wahl effizienter Schutzmaßnahmen, die weder die Mitarbeiter behindern noch auf sensible und unternehmenskritische Informationen freien Zugang erlauben.
     
  • Risikobewusstes Entscheiden und Handeln ist besonders bei der Zugriffskontrolle relevant. Nicht alle Probleme wird man gleichzeitig lösen können. Hier ist eine Priorisierung nach Risikobewertung der richtige Weg.
     
  • Transparenz durch eine zentralisierte Sicht und Auswertungsmöglichkeiten aller zugriffrelevanten Daten und Informationen: Ressourcen, Zugriffe, Berechtigungen, Identitäten, Prozesse und Verantwortlichkeiten.
     
  • Standardisierung auf allen Ebenen, von der untersten technischen Ebene bis zur Organisation. Reduzieren Sie die Anzahl der Varianten von Schnittstellen, Identitätstypen, Berechtigungskonzepten bis zur Zugriffssteuerungs- und Kontrollprozessen auf ein notwendiges Minimum.
     
  • Interoperabilität der Zugriffskontrollsysteme zwischen IAM, PAM und CIAM mit den Zugriffskontrollsystemen ist entscheidend für eine effektive und effiziente Umsetzung von Zugriffskontrollmaßnahmen.
     
  • Flexible und starke Authentifizierungsmechanismen, die den aktuellen Herausforderungen speziell durch den Aufbruch der KI, mehr denn je an Bedeutung gewinnen.
     
  • Effizientes Berechtigungsmanagement durch Rollen- und Identitätsstrukturen und deren Life-Cycle-Prozesse.
     
  • Identität im Zentrum als Ausgangspunkt und Bezugspunkt für alle Zugriffskontrollmechanismen. Es sind sowohl menschliche Benutzer als auch Systeme, Bots und KI-Konten zu berücksichtigen. Jeder Zugriff muss zu einer korrekt authentifizierten und entsprechend autorisierten Identität rückführbar sein. Andererseits muss die Mächtigkeit jeder Identität, basierend auf ihren Berechtigungen, zu jedem Zeitpunkt ersichtlich und kontrollierbar sein.

Die Identität im Zentrum

Digitale Identitäten als Repräsentanten von echten Personen und technischen Systemen bilden die Voraussetzung für effektive und effiziente Maßnahmen zur Steuerung und Kontrolle des Zugriffs auf Unternehmensressourcen. Ein umfassender Zugriffsschutz erfordert, dass jede Zugriffsberechtigung auf Unternehmensressourcen auf eine Identität zurückzuführen sein muss. Die Sicherung der eindeutigen Zurückverfolgung von allen Benutzerkonten auf Identitäten und Personen ist die Ausgangsbasis für eine gezielte Berechtigungsverwaltung. Erst dann können Authentifizierung, Berechtigungsverwaltung nach Least-Privilege-Prinzip mit Freigabeprozessen, Rollenmanagement und Segregation-of-Duties, Privileged Access Management, Joiner-Mover-Leaver-Prozesse und Kontrollmechanismen wie Rezertifizierungen oder aktive Zugriffsüberwachung effektiv und umfänglich aufgesetzt werden.

Fazit:

Eine gesamtheitliche Erhebung von schützenswerten Unternehmensressourcen einerseits und von Personen und Systemen, die darauf Zugriff benötigen andererseits muss die Basis für die Auswahl einer passenden Kombination von Maßnahmen für den Zugriffsschutz sein. Identitäts- und Zugriffsmanagement mit ihren Zugriffsschutzmechanismen und -prinzipien bildet dabei eine notwendige Brücke, auf der weitere Mechanismen entsprechend dem Schutzbedarf aufsetzen können.

Autor:

Michael Makarewicz
Michael Makarewicz
Expert Business Consultant IPG Information Process Group Austria GmbH

Über den Autor: Michael Makarewicz, Dipl. Ing. der Elektrotechnik, Spezialisierung auf Computertechnik an der TU Wien, verfügt über 25 Jahre Erfahrung als Projektleiter, Anforderungs-Manager, Prozess-Analytiker und Lösungsdesigner, davon 17 Jahre speziell im Identity and Access Management Umfeld. Als Expert Business Consultant bei IPG unterstützt er Kunden bei der Umsetzung ihrer IAM-Vorhaben. Mit seinem technischen und Business-Know-How (IREB-Advanced, CBAP-zertifiziert) fungiert er als Schnittstelle zwischen den Fachbereichen und der Technik.

Wie geht es für Ihr Unternehmen weiter?

Kontakt aufnehmen und mit IPG Ihre IAM-Sicherheit auf das nächste Level bringen!

​IPG steht Ihnen mit umfassender 360-Grad-Expertise im Bereich des Anforderungsmanagements zur Seite. Wir unterstützen Unternehmen dabei, klare und präzise Anforderungen zu definieren, um erfolgreiche Identity-Management-Projekte zu gewährleisten. Unsere erfahrenen Berater helfen Ihnen, effektive Kommunikationsstrategien zu entwickeln, um den administrativen Aufwand zu reduzieren und die Effizienz zu steigern.​

Lassen Sie uns darüber sprechen! Buchen Sie jetzt ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Blog 25.09.25

TISAX ohne IAM? Kaum vorstellbar!

TISAX erfordert klare Prozesse für Zugriffskontrolle & Authentifizierung. Erfahre, warum IAM die Basis für eine erfolgreiche Zertifizierung ist am Beispiel der Automobilindustrie.

Blog 16.10.25

Wie KI das Identity & Access Management verändert

Künstliche Intelligenz macht IAM schneller, sicherer und effizienter. Erfahren Sie, wie KI Prozesse automatisiert, Risiken erkennt und das Rollenmodell der Zukunft prägt.

Blog 02.02.23

Computer Aided Cloud Transformation

Was bedeutet Computer aided cloud transformation? Warum ist Enterprise Architecture Management wichtig? Wie gelingt das Asset- und Ressourcenmanagement?

Titelbild zum Expertenbericht IAM Schliesssysteme
Blog 15.12.21

Zutrittsberechtigungen zu Gebäuden mit IAM verwalten

Was haben Zutrittsberechtigungen zu Gebäuden und Räumen mit Identity & Access Management (IAM) zu tun? Prozesse für das Management von physischen Zutritten gehören zu einem ganzheitlichen IAM.

Unternehmen

Warum mit synaigy?

Wir leben Customer Centricity und lieben was wir machen: Beratung, E-Commerce & Technologien – profitiere von unseren Mehrwerten!

Blog 11.12.25

Daten, AI, Effizienz: Was Unternehmen jetzt voranbringt

Im neuen Beitrag erklärt dir Gunther Hahn, warum Geschwindigkeit, Datenqualität und klarer Mehrwert die drei Faktoren sind, die über erfolgreiche AI-Projekte entscheiden.

Blog 20.06.25

Was ist ein Information Security Management System (ISMS)?

Erfahren Sie, wie Identity & Access Management (IAM) ein wirksames ISMS unterstützt – mit klaren Rollen, Automatisierung und mehr Sicherheit für Ihre Geschäftsprozesse.

Blog 20.08.25

IAM & PAM: Das perfekte Zusammenspiel für Sicherheit

IAM ohne PAM ist wie Handball ohne Trainer: möglich, aber riskant. Erfahre, warum erst das Zusammenspiel von IAM, PAM und IGA Unternehmen zur „Meisterschaft“ in Sicherheit und Compliance führt.

Blog 23.07.25

ISPM: Risiken erkennen, bevor sie zur Gefahr werden

Was ist Identity Security Posture Management (ISPM) – und warum reicht klassisches IAM nicht mehr aus? So wird aus Zugriffskontrolle ein aktives Risikomanagement.

Blog 14.03.25

Die Bedeutung des Anforderungsmanagements im IAM

Ein effektives Anforderungsmanagement ist entscheidend für den Erfolg von IAM-Projekten. Entdecken Sie in unserem Blog, wie es klare Ziele setzt, Missverständnisse vermeidet und Compliance sichert.

Foto vom Führungskräfteleitlinien-Workshop der novaCapta im Kölner Büro
Blog 12.03.24

Warum & wie wir Führungsleitlinien entwickelt haben

Um unsere Unternehmenskultur weiterzuentwickeln, haben wir Führungsleitlinien erarbeitet. Wie der Prozess zur Konzeption und Implementierung aussah, teilen wir in diesem Beitrag.

Das Thema IT-Security immer weiter in den Fokus
Blog 07.01.21

Warum der Überwacher überwacht werden muss

Nach dem SolarWinds Hack rückt das Thema IT-Security immer weiter in den Fokus. In unserem Blogbeitrag beschreiben wir alles zum SolarWinds-Hack, deren Folgen und was wir daraus lernen können.

Referenz

Warum Performance ausschlaggebend ist

catworkx macht die Performance von Atlassian Toolchains messbar – mit individuellen Analysen, Open-Source-Tools und eigenen Lösungen wie der Stress-Test-App catworkx SPIN.

Service

Entra Assessment

Erfahren Sie in unserem Whitepaper, wie Sie Transparenz und Kontrolle über Ihre Entra-Umgebung gewinnen – und warum dies der erste Schritt zu einer robusten, sicheren IAM-Strategie ist.

Blog 04.07.24

Warum Shift Left jetzt unverzichtbar ist

Erfahren Sie, warum Shift Left und Feedbackschleifen unverzichtbar für eine erfolgreiche Softwareentwicklung sind. Verbessern Sie Qualität, Sicherheit und Effizienz in Ihrem Unternehmen.

Blog 07.11.24

Warum der Cultural Change so schwer für uns ist

In unserem Gespräch ging es um Wandel und Transformation in Unternehmen. Ein kleiner Spoiler: Veränderungen sind oft unbequem, aber genau da beginnt der spannende Change-Prozess!

Teaser Access Management
Blog 16.03.22

Warum Access Management uns alle betrifft

Dieser abstrakte Begriff des Access Management und die damit einhergehende technologische Implikation berührt uns immer und sofort, wenn wir einen Fuss in das digitale Leben setzen.

Blog 20.04.23

Warum dein Shop ohne Personalisierung scheitert

Im Rahmen unseres zweiten gemeinsamen ,,insights!‘‘-Podcasts stürze ich mich gemeinsam mit UX-Expertin Katja Moritz auf das Thema Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn.

Blog

Warum hat Atlassian die Nase vorn?

Was ist dran - an Atlassian. Warum ist Atlassian cool? Das hast Du Dich als angehender oder berufserfahrender IT'ler schon gefragt? Warum wir an Atlassian nicht vorbeikommen, warum wir uns damals für diese und keine anderen Produkte entschieden haben, das möchten wir Euch heute erzählen.

Smiling middle aged executive, mature male hr manager holding documents using laptop looking at pc computer in office at desk, checking financial data in report, doing account paper plan overview.
Blog 30.09.24

Warum KI ein stringentes Contentmanagement benötigt

Content- und Dokumentenmanagement ist wichtig, damit KI ihr volles Potential ausschöpfen kann. Wie Sie das Thema erfolgreich angehen, erklärt unser Experte Wolfgang Raestrup im Video-Interview.

Bleiben Sie mit dem TIMETOACT GROUP Newsletter auf dem Laufenden!