#149- Übermorgen statt morgen: Wie du dein Unternehmen für 15 Jahre fit machst

In dieser insights! Folge spricht Joubin Rahimi mit Zukunftsforscher Dirk Herrmann über das, was die meisten Unternehmen verschlafen oder meist nicht auf dem Schirm haben: das Übermorgen. Wir diskutieren, warum die aktuelle Arbeitsmarktlage nicht durch KI verursacht wird, warum Made in Germany seinen Glanz verliert und warum Hidden Champions ohne starkes Management keinen Wettbewerbsvorteil mehr haben.

Wenn ich weltweit unterwegs bin, merke ich, dass unser Image Made in Germany an Glanz verliert. Das liegt daran, dass wir diese Marke Made in Germany nicht wirklich gepflegt haben. Wenn ein ausländischer Tourist mit dem Zug von Hamburg nach München fährt, dann erlebt er nicht dieses Made in Germany in der Exzellenz, wie er es eigentlich noch in seinem Mindset hat.

Dirk Herrmann Zukunftsforscher

Übermorgen statt Morgen: Warum die meisten Strategien zu kurz greifen

Die meisten Unternehmen reden über Trends und nennen das Strategie. Dirk Herrmann nennt das Morgen. Und er findet, das reicht nicht. Sein Thema ist Übermorgen, also der Zeitraum 15 Jahre plus, der in den allermeisten Boardrooms überhaupt nicht stattfindet. Wer 2010 versucht hätte zu skizzieren, wie die Welt 2025 aussieht, wäre an autonomem Fahren, generativer KI und einer komplett verschobenen Geopolitik gescheitert. Genau dieses Risiko trägst du heute, wenn du nur in Quartalen denkst.

Wenn du dich als CEO oder Digital-Entscheider fragst, ob diese Sichtweise nicht zu philosophisch ist, dann hast du den Punkt verpasst. Übermorgen ist kein Esoterikthema, sondern ein Risikomanagement-Thema. Wer keine Hypothesen für die nächsten 15 Jahre hat, der wird in 5 Jahren von Mitbewerbern überholt, die genau das haben. Und das passiert nicht laut, sondern leise.

Der wahre Grund für Arbeitslosigkeit: Hör auf, KI dafür verantwortlich zu machen

Die einfachste Erzählung der letzten Monate lautet: KI killt Jobs. Dirk Herrmann widerspricht klar. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat eine andere Ursache. Wir sind eine Exportnation und verkaufen unsere Flagship-Produkte schlicht nicht mehr in dem Volumen wie früher. Das ist eine Absatzkrise, keine Automatisierungskrise. Wer diese beiden Dinge verwechselt, trifft falsche strategische Entscheidungen.

Parallel passiert etwas, das in den meisten Personalstrategien viel zu wenig beachtet wird. In den nächsten zehn Jahren verlassen 15 Millionen Menschen den deutschen Arbeitsmarkt. Renteneintritt, Babyboomer, Pillenknick, kein neues Phänomen, aber jetzt wird die Lücke akut. Daraus folgen drei strategische Konsequenzen, die du heute schon planen solltest:

  • Investition in KI und Automatisierung als Notwendigkeit, nicht als Effizienz-Spielerei.
  • Aufbau physischer KI in Form von Robotik dort, wo Personalmangel das Geschäftsmodell bedroht.
  • Wirklich ehrliche Workforce-Planung über zehn Jahre, nicht über das nächste Budget.

Das klingt unbequem, ist aber realistisch. KI ist hier nicht der Feind, sondern der Lückenfüller. Wer das im Mittelstand jetzt verschläft, hat in fünf Jahren nicht zu viel Personal, sondern keins für die spannenden Aufgaben.

Made in Germany verliert seinen Glanz: Schuld ist nicht China, sondern wir

Es gibt diese Sätze, bei denen viele Manager innerlich den Stuhl etwas zur Seite schieben. Dirk Herrmann hat einen davon ausgesprochen: Made in Germany verliert in der Welt seinen Glanz. Nicht, weil andere Länder besser geworden sind, sondern weil wir die Marke selbst nicht mehr pflegen. Wer regelmäßig international reist, weiß, was gemeint ist. Du landest am Düsseldorfer Flughafen, gehst auf eine Toilette und siehst sofort, welches Bild ein asiatischer Tourist von Deutschland mitnimmt. Das ist Brand Experience im Originalzustand.

Genau hier kommt der Begriff ins Spiel, den Dirk die Summe der Kleinigkeiten nennt. Diese Summe entscheidet über Markenwahrnehmung, weit mehr als jede Imagekampagne. Im internationalen Vergleich verlieren wir an genau diesen Punkten:

  • Touchpoints in Verkehrsknotenpunkten, also Flughäfen, Bahnhöfe und Bahn.
  • Servicequalität in der Fläche, von Hotels bis zu Restaurants.
  • Digitale Erlebnisse beim Eintritt in den Markt, also alles, was eine Customer Journey vor dem ersten Vertragsabschluss prägt.

Die Konsequenz ist klar. Wer Made in Germany als Verkaufsargument nutzen will, muss in die Wahrnehmung investieren, nicht nur in die Produktion. Sonst ist diese Marke in zehn Jahren ein Sentimentwert für Boomer und kein Geschäftsmodell mehr.

Hidden Champions in der Krise: Strategie ist nicht genug

Hidden Champions waren lange das deutsche Erfolgsmodell. Spitzenprodukt, Marktführer in einer Nische, oft nicht laut genug, um in der Tagesschau aufzutauchen. Dirk Herrmann macht klar, dass dieses Modell unter Druck gerät. Nicht, weil die Produkte schlechter geworden sind, sondern weil zwei Faktoren zunehmen. Erstens: Globaler Wettbewerb verändert die Spielregeln schneller als der Fünfjahresplan reagiert. Zweitens: Die Marke entscheidet zunehmend, ob das Produkt überhaupt eine Chance bekommt.


Sein Rezept klingt klassisch, ist es aber genau im Mittelstand selten konsequent umgesetzt. Hidden Champions müssen ihren Wettbewerbsvorteil festigen, ihn ausbauen und ihn dann auch nach außen sichtbar machen. Wer im Hinterhof glänzt und im Schaufenster nicht, verliert. Hier eine kompakte Selbstdiagnose, die du in deiner nächsten Geschäftsleitungssitzung verwenden kannst:

  • Wissen unsere Kunden, warum nur wir das können, was wir können? 
  • Können wir unseren Vorteil in einem Satz erklären, ohne ins Technische zu rutschen? 
  • Investieren wir mindestens so viel in Marke und Story wie in F&E?

Management schlägt Produkt: Die unbequeme Wahrheit über Spitzenleistung

Spätestens hier wird es persönlich für jede Führungskraft. Dirk Herrmann erinnert an einen Satz aus seiner Zeit in der Investmentwelt. Frage an einen Top-Fondsmanager: Investierst du lieber in ein Top-Produkt mit schwachem Management oder in ein durchschnittliches Produkt mit starkem Management? Antwort ohne zu zögern: Immer das durchschnittliche Produkt mit dem guten Management. Weil Business am Ende ein People Business ist.

Übersetzt in den Alltag von CEOs, CDOs und Heads of Marketing heißt das: Du gewinnst in deinem Markt nicht, weil du das beste Datenblatt hast, sondern weil dein Team in der Lage ist, dieses Datenblatt zu einem Erlebnis zu machen. Joubin nutzt im Gespräch das Bild des Rennteams. Es funktioniert nur, wenn alles funktioniert, von der Mechanik über das Catering bis zur Fahrerin. Sobald ein Element schwächelt, ist die Pole Position verloren. Genau diese Klarheit fehlt in vielen deutschen Mittelständlern. Wir lieben unsere Produkte, aber wir investieren zu wenig in das Team, das sie wirklich groß macht.

Gen Z, Vanlife und der Faulheits-Mythos: Anreize neu denken

Es gehört zu den beliebtesten Reflexen in Führungskreisen, der Gen Z Motivationsdefizite zu unterstellen. Dirk Herrmann widerspricht historisch fundiert. Schon seine Großeltern haben seine Generation faul genannt. Heute heißt es Vanlife, früher hieß es Hippie-Leben. Was sich verändert hat, sind nicht die Menschen, sondern die Anreizstrukturen, die diese Menschen ansprechen. Karriere, Aufstieg und Vermögensaufbau sind nicht mehr automatisch der Treiber, der sie morgens an den Schreibtisch bringt.

Daraus folgt nicht, dass die Generation keine Höchstleistung bringt. Sondern, dass die Anreize neu gedacht werden müssen. Work-Life-Balance ist ein Thema, ja. Aber sie reicht als alleiniger Hebel nicht aus, sonst entstünde nie ein Spitzenteam. Wer als Manager hier nur jammert, hat den Job nicht verstanden. Im Gespräch fällt der bekannte Satz: Der Fisch stinkt am Kopf. Heißt im Klartext: Wenn dein Team nicht heiß ist, liegt das selten am Team. Es liegt fast immer an dem, der das Team führt.

Fazit: Was du aus diesem Talk wirklich mitnimmst

Wenn du nach diesem Gespräch mit Dirk Herrmann nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Übermorgen ist kein Luxusthema, sondern eine strategische Pflichtübung. Wer als Hidden Champion, Mittelständler oder Konzernverantwortlicher in 15 Jahren noch relevant sein will, muss heute drei Hebel anpacken. Erstens, ehrliche Workforce-Planung mit KI als Lückenfüller, nicht als Drohung. Zweitens, eine kompromisslose Investition in Marke und Touchpoints, weil die Summe der Kleinigkeiten über Ruf und Umsatz entscheidet. Drittens, ein Management, das Teams wie Rennteams baut, motiviert und gewinnen lässt.

Die gute Nachricht: Diese drei Hebel sind alle umsetzbar. Sie kosten nicht zwangsläufig mehr Geld, sondern oft nur Klarheit und Mut. Die schlechte Nachricht: Wer wartet, bis das Übermorgen das Heute ist, hat den Hebel nicht mehr in der Hand. Such dir aus, auf welcher Seite du stehen willst.

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Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von Insights. Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi, direkt von der Insights - The Conference und neben mir sitzt Dirk, Dirk Herrmann. Du hattest heute Morgen die Eröffnungskeynote. Erstmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast, uns da die Einblicke gegeben hast und es steht schon drauf: Übermorgen. Wir haben es ja in dem Video in der Küche bei uns ja schon gesagt, über übermorgen reden und nach dir hatten wir auch einen tollen Panel Talk. Da möchte ich gleich mit dir eintauchen. Aber vielleicht magst du ja 2, 3 Sätze noch mal zu dir sagen und auch zum Thema Übermorgen, bevor wir da einsteigen, für alle, die heute halt nicht hier gewesen sind.

 

Dirk Herrmann

Ja, also ich bin Dirk Herrmann, Zukunftsforscher seit vielen Jahren, und mein Thema Übermorgen beschäftigt sich halt mit der Zeit nach morgen. In der Welt da draußen ist unsere Wahrnehmung, also das, was wir in den Medien lesen zurzeit, was wir so hören, was so passiert, ist in so einem Zeitrahmen 0 bis 5 Jahre. Das ist so dieses morgen, was wir noch skizzieren können. Übermorgen ist ein Zeitrahmen, der fängt bei mir so bei 12, 13, 14, 15 Jahren an, eher 15 Jahre plus, und das ist das, was wir überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Wenn wir mal 15 Jahre zurückdenken und uns die Frage stellen: Hätten wir vor 15 Jahren uns überhaupt ausmalen können, wie die Welt heute aussieht? Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, was alles da an technologischen Revolutionen da ist. Aber auch geopolitische Spannungen, wie wir sie heute erleben, dann müssen wir wahrscheinlich sagen: Nein. Und wenn wir in die nächste Periode gehen, wenn wir in 15 Jahren sind und auf heute zurückblicken, dann werden wir auch sagen: Nein, wir konnten uns heute nicht vorstellen, wie die Welt im Übermorgen aussehen wird.

 

Joubin Rahimi

Was ich heute auch toll fand in der Präsentation von dir und von Felix, gab es eine gewisse Parallele. Felix, Gründer der TIMETOACT  GROUP, hatte dann halt gesagt: Na, früher gab es Asbest, war halt irgendwie eine Scheißidee. Wusste man da nicht. Und dann gab es Domino, für alle Lotus Domino. Konntest ja auch viele Applikationen schnell erstellen. Dann hattest du 100 davon, war wie so eine Seuche und wirst auch nicht losgeworden. Also wir haben immer noch Kunden, die haben Domino und das gibt es schon lange nicht mehr so aktiv, sagen wir mal. Sagen wir mal so. Und das sind ja große Zyklen, Zeitzyklen. Das war das eine. Und du hattest dann schön zwei Spiegel, ich glaube, es war Spiegel oder Stern. Spiegel mit Angst, Jobverlust. Also wenn ich Innovation habe, haben die Deutschen Angst vor dem Jobverlust.

 

Dirk Herrmann

Ja, das waren zwei Spiegel-Ausgaben, die waren 38 Jahre auseinander und die hatten letztendlich die gleiche Titelgeschichte. Macht Zukunft arbeitslos? Jeweils mit zwei Robotern. Und aufgrund dieser zeitlichen Diskrepanz sahen die halt auch unterschiedlich aus.

 

Joubin Rahimi

Und haben sie ja nicht gemacht. Also Computer haben uns jetzt auch nicht arbeitslos gemacht. Das war ja auch—

 

Dirk Herrmann

Ich glaube, dass das, was gerade passiert— Wir haben natürlich den Effekt, dass wir rationalisieren, und wir sehen derzeit auch einen großen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der aber nicht dadurch begründet ist, dass wir mehr automatisieren, Sondern der primär dadurch begründet ist, dass wir weltweit als Exportnation unsere Flagship-Produkte gerade nicht so verkaufen, wie wir sie halt früher verkauft haben. Und ich glaube, dass das jetzt passierte Phänomen in den nächsten 10 Jahren werden 15 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt verlassen. Und was eigentlich ja auch mal ganz gut ist, weil die Parallele dazu ist Wenn wir mal das Jahr 1990 anschauen, ziemlich spannend. Der Automobilmarkt in Deutschland war komplett mit Gebrauchtwagen überfüllt. Niemand wollte mehr Neuwagen kaufen. Und dann kam das Phänomen, wir hatten ja die Wiedervereinigung, und unsere gesamten Gebrauchtfahrzeuge sind natürlich in unsere neuen Bundesländer geflossen. Damit war der Markt leer und es ging halt wieder los. Wenn man die Parallele mal oder die Analogie derzeit in Richtung Robotik verlegt: Ja, wir werden zukünftig arbeiten durch durch künstliche Intelligenz und durch physische künstliche Intelligenz in Form von Robotern erledigen. Aber das müssen wir auch, weil die Menschen, die den Arbeitsplatz jetzt quasi aufgeben, weil sie in Rente, in Pension gehen, die fehlen ja im Markt.

 

Dirk Herrmann

Wir müssen das kompensieren und dadurch werden wir wahrscheinlich diesen Effekt wieder sehen, dass wir das ein bisschen kompensiert bekommen.

 

Joubin Rahimi

Und das ist natürlich total spannend, weil das betrifft ja auch nicht alle Länder. Das ist ja eher ein deutsches Phänomen. Ja. Oder ist es Ist eher ein deutsches, kein europäisches.

 

Dirk Herrmann

Dass so viele Leute in Rente gehen?

 

Joubin Rahimi

Ja, genau. Österreich glaube ich auch. Aber Italien beispielsweise glaube ich nicht. Die haben nicht die, die sind gleich groß.

 

Dirk Herrmann

Anderes Rentensystem. Und dann gehen auch die Leute früher in Rente. Und in Italien ist auch diese Selfmade-Selbstständigenquote in den ländlichen Regionen halt viel, viel höher. Wir haben halt bedingt durch diesen Pillenknick, durch diese Babyboomer-Generation halt in der demografischen Entwicklung halt so eine so eine Kerbe, die jetzt kommt.

 

Joubin Rahimi

Das ist dann auch von der Seite mal gut gesehen. Nur das Rentensystem müssen wir dann noch fixen. Aber das Arbeitssystem wird dann nicht mit zu vielen Arbeitslosen dann vollgeschwemmt, wenn das so kommt, wie es kommt. Aber wir reden ja noch über übermorgen und noch die Veränderung dazu. Wie würdest du als Geschäftsführer eines Hidden Champions rangehen, um dich für die nächsten Jahre, 10, 15 Jahre ist ja schwierig, aber wenigstens einen Korridor grob zu treffen, dass das Unternehmen richtig, also in die richtige Richtung, wenigstens in Himmelsrichtung fährt?

 

Dirk Herrmann

Ich meine, Hidden Champions gibt es ja in unterschiedlichen Disziplinen und wir müssen halt schauen, was macht der Hidden Champion? Ist er technologischer Führer? Stellt er ein Produkt her? Ist er in der Industrie? Wir haben unterschiedliche Bereiche. Ich merke da draußen, dass, wenn ich weltweit unterwegs bin, dass unser Image Made in Germany in der Welt ein bisschen an Glanz verliert. Und das liegt natürlich daran, dass wir diese Marke Made in Germany nicht wirklich gepflegt haben. Und ich habe in der Mittagspause mit Olaf Hartmann drüber gesprochen, der auch eine super Masterclass heute hier gehalten hat. Wenn doch ein ausländischer Tourist, sagen wir ein Tourist aus Asien, nach Deutschland kommt und fährt mit dem Zug von Hamburg nach München, dann erlebt er halt nicht dieses Made in Germany, in der Exzellenz, wie er es eigentlich noch in seinem Mindset hat. Ich meine, das ist schlimm, aber das sind halt so viele Dinge, die halt in dieser Marke Deutschland zusammenkommen. Und noch profitieren wir weltweit natürlich von dem hohen Ansehen, was wir haben. Aber diese Marke verliert an Glanz und daran müssen wir, glaube ich, arbeiten. Und also ich glaube, es ist nicht ein Thema von derzeit noch nicht von Robotern und künstlicher Intelligenz, dass wir den Arbeitsmarkt Kunden so haben, wie wir ihn haben.

 

Dirk Herrmann

Der Effekt kommt noch. Es ist halt primär, wir verkaufen derzeit wenig.

 

Joubin Rahimi

So, jetzt hilft ja auch nicht, indem wir jetzt schöne Plakate machen, weil die Touchpoints sind ja überall, wenn jemand hierher kommt. Und du hast ja gesagt, hier kommt jemand am Flughafen an und nehmen wir mal den Flughafen Düsseldorf oder Frankfurt, auch München fängt an, aber schon die Toiletten sind einfach nicht so sauber. Und dann bist du auf Vietnam und dann denkst du: Wahnsinn. Dubai ist mal so Ausnahmesituation, ne?

 

Dirk Herrmann

Aber da sprichst du was an. Ich meine, ihr wart ja auch gerade in Vietnam unterwegs und ich meine selbst in Thailand, wenn man in Bangkok, also quasi da, wo der Apple-Shop ist, auf der anderen Seite in ein Einkaufszentrum geht und geht da auf eine Toilette, glaubt man, man ist in einem 5-Sterne-Superior-Plus-Plus-Hotel.

 

Joubin Rahimi

Ja, total.

 

Dirk Herrmann

In einem Einkaufszentrum. Und hier kommt man in Düsseldorf am Flughafen an und wenn jetzt irgendwie Manager von Düsseldorf zuschauen, da müsstet ihr mal drangehen, weil das ist halt ein echtes Thema.

 

Joubin Rahimi

Das ist einfach so. Deswegen Olaf Hartmann, der ist halt Brand Experience Profi, sag ich mal.

 

Dirk Herrmann

Der Marktmacher.

 

Joubin Rahimi

Der ist der Marktmacher, genau. Und wo sind die Touchpoints? Was sind die relevanten Touchpoints? Und Toilette ist ein Touchpoint, weil da muss eigentlich fast jeder nach so einem längeren Flug hin.

 

Dirk Herrmann

Ich glaube, es sind diese Kleinigkeiten und es ist die Summe dieser Kleinigkeiten, die quasi dieses Ganze ausmachen. Und da verlieren wir halt derzeit. Und im Übermorgen wird es glaube ich nicht besser, wenn wir nicht anfangen, diese kleinen Punkte wirklich zu verbessern. Die Summe der Kleinigkeiten, weil das ist unser Thema.

 

Joubin Rahimi

Und wir verlieren uns gerade bisschen in der Diskussion, weil eigentlich war meine Frage eine ganz andere.

 

Dirk Herrmann

Okay, stell die nochmal.

 

Joubin Rahimi

Was würdest du als Geschäftsführer Wie bitte? Daten?

 

Dirk Herrmann

Was Sie tun?

 

Joubin Rahimi

Was würde du als Geschäftsführer eines Hidden Champions tun, damit das—

 

Dirk Herrmann

Ja, ich glaube, er muss an seinem Wettbewerbsvorteil, wenn der dann doch besteht und er ist Hidden Champion, dann muss er halt dieses festigen. Er muss halt quasi diesen Wettbewerbsvorteil ausbauen und dann halt im nächsten Point diese Kommunikation, die Marke nach vorne bringen, dort mit seinem Produkt, was nur er kann oder was er am besten kann weltweit.

 

Joubin Rahimi

Ja, jetzt hatten wir heute Morgen die Patricija hier, ja, die Rennfahrerin ist. Und in dieser Diskussion, und das ist ja so toll, wenn man einfach mit so vielen schlauen Menschen reden kann, auch gerade heute, also Training für mich, sage ich halt, Motorsport ist etwas, was auch viel auf die Automobilbranche dann überschlägt, ne. Also Immer kleinere Motoren, mehr Leistung, auch jetzt mit dem Elektro, da kommen ja ganz viele Innovationen dabei raus. Du musst ja eine Firma dann auch anders aufstellen. Und das war dann halt eine Logik, wo ich gesagt habe, wir haben hier ein Team aufgebaut, das für einen Kunden was gemacht hat, was wir noch nicht gemacht haben. Also wirklich auch Forschungsarbeit betrieben. Sachen, wo wir nicht wussten, funktioniert das oder nicht. Und das funktioniert. Das war super und das bringt richtig Spaß. Und dann haben wir festgestellt: Naja, was haben wir eigentlich gemacht? Wir waren wie ein Rennteam. Und das geht jetzt in die Breite rein. Die Rennteams waren ja auch nicht alle das Gleiche. Also eigentlich musst du als Unternehmer verschiedene Rennteams dann starten.

 

Dirk Herrmann

Ich war ja in Ihrem Vortrag und ich fand es ziemlich gut, dass Sie gesagt hatte: Also es muss alles funktionieren. Auch das Catering muss funktionieren, weil wenn sie als Rennfahrerin nicht ordentlich isst, dann hat sie keine Performance.

 

Joubin Rahimi

Und das Team. Wenn das Team schlecht drauf ist, sagen die auch so: Boah. Genau, dann, oh, Schraube vergessen.

 

Dirk Herrmann

Aber so ist es, wenn man diese Hidden Champions noch mal anschaut. Warum sind die Hidden Champions geworden? Es gibt natürlich die Firmen, die ein geniales Produkt oder ein Patent haben, die haben vielleicht noch einen Vorteil. Aber es gibt dann die, die ein gutes Produkt haben, und die brauchen auch eine exzellente Mannschaft, gutes Management, um halt diesen Wettbewerbsvorteil auszuspielen.

 

Joubin Rahimi

Und Pip meinte, wir haben natürlich super schlaue Menschen hier in Deutschland. Jetzt ist die Frage, sind die heiß genug, da Gas zu geben. Weil es geht ja nicht darum, dass alle irgendwie mitgenommen werden, sondern ich glaube, dass eine kritische Masse heiß wie Frittenfett ist, neue Sachen zu generieren. Und da, du kennst ja so viele Länder und Regionen.

 

Dirk Herrmann

Ich glaube, dass du, wenn wir über dieses Thema reden, ich meine, in der Politik wird ja der jungen Generation Gen Z und Alpha vorgeworfen, dass sie halt nicht mehr diesen, diesen Pep haben. Ich glaube, das hat man in allen Generationen gesagt. Derzeit wird es bedingt vielleicht durch Social Media und durch andere Formen von Kommunikation wird es jetzt wahrnehmbar. Aber ich glaube, also meine Generation, da haben meine Großeltern schon gesagt, wir sind faul. Und früher hieß das Hippie-Leben, also heute heißt das Vanlife. Also ich glaube, irgendwo gab es das immer schon. Ich meine, wir müssen natürlich Anreize schaffen oder Anreize schaffen, die diese Generation die Gen Alpha und Gen Z annehmen wollen. Wir können halt nicht mit unseren Werten, wir wollten in einer Generation halt Vermögenswerte schaffen, wir wollten Aufstieg, Karriere, und das sind halt irgendwie vielleicht Dinge aus einer Generation, die die Gen Z heute nicht mehr will. Und dann muss man es natürlich fokussieren auf bessere Work-Life-Balance, keine Frage, aber wir müssen auch Anreize schaffen, dass sie motiviert sind, Höchstleistungen zu bieten.

 

Joubin Rahimi

Und dann ist die Frage: Schaffen wir das oder muss man eher außerhalb von Deutschland schauen und Europa?

 

Dirk Herrmann

Mitarbeiter nach Deutschland holen, die das wollen?

 

Joubin Rahimi

Ich weiß gar nicht, ob sie nach Deutschland geholt werden müssen, aber dieses Rennsport-Team. Also ich nehme ein Beispiel. Meine Schwägerin war bei Toyota Rennsport und die haben zweimal im Jahr auch Family und Friends eingeladen. Und dann warst du morgens bei so einem Rennen, das war Australien, bist du total früh. Dann da, warst du natürlich auch müde. Und dann haben die immer applaudiert, wenn Ferrari überholt hat. Ich bin doch bei Toyota. Ja, aber die sind alle von Ferrari gekommen.

 

Dirk Herrmann

Okay.

 

Joubin Rahimi

Das war ganz spannend. Toyota war jetzt nie das beste Team, auch nicht ganz schlecht. Insofern hatten die gute Leute, aber die waren nicht so top motiviert.

 

Dirk Herrmann

Okay.

 

Joubin Rahimi

Und die Frage ist halt, wie bekommen wir sie top motiviert oder haben wir sie auch und meine Einschätzung ist verkehrt.

 

Dirk Herrmann

Ich glaube, es ist immer eine Managementgeschichte auch, ne? Der Fisch stinkt am Kopf. Also ich muss natürlich als Manager mein Team gestalten und auch motivieren. Ich komme ja aus der Investmentwelt und ich kann mich an ein Investment-Meeting erinnern mit einem der Top-Fondsmanager damals. Und ich war jung, ich war zum ersten Mal mit in so einem Meeting. Und der Fondsmanager sagte: Ist es wichtiger, ein gutes Management mit einem durchschnittlichen Produkt zu haben oder ein Top-Produkt mit einem schlechten Management? Und er sagt: Nein, das durchschnittliche Produkt mit einem guten Management würde immer vorziehen, weil es ist ein People Business. Und wenn ich halt nicht die Mitarbeiter motivieren kann und mein Team, wie du sagst, im Rennsport zusammenstellen kann, dann kann ich nicht diese Spitzenleistung auf Dauer abliefern.

 

Joubin Rahimi

Und das würde ich sagen, nehmen wir als Schlusswort für heute. Wir dürfen gleich ja noch mal Pipp Klöckner hören. Ja, und ich habe noch eine Idee, aber die besprechen wir gleich. Und vielleicht werdet ihr davon profitieren. Danke auf jeden Fall für deine Zeit. Danke für heute hier. Danke für die Insights. Danke, dass du die ganze Zeit dabei warst, mit so vielen Menschen gesprochen hast, um über das Übermorgen zu reden. Ich glaube, das ist ein Teil dessen, was dazu beiträgt, dass wir alle besser werden.

 

Dirk Herrmann

Danke für die Einladung.

 

Joubin Rahimi

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Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

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